Förderer, Dr. phil. Manuel
KI ist in aller Munde – irgendwo zwischen Glorifizierung und Dämonisierung, Heilsversprechen und Weltuntergangsvision. Chancen und Gefahren abzuwägen, etwa hinsichtlich der politischen Folgen, wird zunehmend komplexer und unübersichtlicher. Und nicht zuletzt stellt KI wieder und wieder unsere Wahrnehmung der Wirklichkeit in Frage: Ist das ein echtes Bild oder nur eine KI-Produktion? Singt hier noch jemand, oder ist das nur eine modulierte Maschinenstimme? Und lese ich gerade den Text eines Dozenten – oder den eines Chatbots? Ausgehend von Platons berühmten Höhlengleichnis wollen wir uns die Frage stellen, wie KI unsere Wahrnehmung von Realität berührt und verändert und welche (ethischen) Folgen dies für unser Menschsein hat.
In der Antike und der Neuzeit verstand sich das Philosophieren nicht zuletzt als ein Versuch, das Sterben zu lernen. Damit wendet sich das Denken ausgerechnet dem Moment zu, an dem alles Denken selbst aufzuhören scheint – und wovon wir so lange nichts wissen, bis es uns selbst ereilt. Und doch (oder gerade deswegen) lohnt es sich, den Tod und unsere Vorstellungen von ihm in den philosophischen Blick zu nehmen. Genau das möchte das Seminar leisten und sucht Fragen und Antworten aus früheren und aktuellen, näheren und ferneren Texten über die ‚letzten Dinge‘.
Nach Ende des Zweiten Weltkriegs im Mai 1945 stellte sich für die Menschen in Deutschland nicht nur die Frage, wie sie mit der unmittelbaren Vergangenheit umgehen sollten, sondern auch, wie für sie eine Zukunft aussehen könnte. Demokratisch? Und wenn ja, welche Formen sollte diese Demokratie annehmen? Vor allem aber: Was brauchte es dazu? Ein Ort, wo diese Fragen aufgeworfen wurden, war die Literatur. Sie erzählt von und war zugleich selbst ein Gesprächs- und Diskussionsraum, in der es u.a. darum ging zu erkunden, welche kommunikativen Kompetenzen eine Gesellschaft braucht, um tatsächlich demokratisch zu werden. Literarische Texte zwischen 1945 und 1949 sind voll mit Darstellungen davon, wie man (richtig) miteinander spricht, was Sprechen und Zuhören mit der Bildung einer demokratischen Ordnung zu tun hat und wie herausfordernd es oftmals ist, die Gesprächskanäle zueinander nicht abreißen zu lassen. Eine Zeit, die uns fremd und fern scheint, erweist sich unter diesem Gesichtspunkt nicht nur als wichtiger historischer Bezugspunkt der deutschen Demokratisierung nach dem Krieg, sondern auch als verblüffend aktuell. Der Vortrag unternimmt eine Erkundungsreise durch die Texte bekannterer und weniger bekannter AutorInnen und beleuchtet, wie unzertrennbar Diskussion und sprachliche Begegnung für demokratisch verfasste Gesellschaften sind.